Bava Kamma 171

Kapitel 171

א חייב בכולן
1 ‘Keine Verletzung beigebracht’,
ב האי לא עשה חבורה היכי דמי לאו כגון שהכהו על ידו וסופו לחזור וקתני חייב בכולן
2 doch wohl in dem Falle, wenn er ihm auf die Hand geschlagen hat und sie später wieder heilt; und er lehrt, daß er zu allem verpflichtet sei. –
ג אמרי הכא במאי עסקינן כגון שחירשו ולא עשה בו חבורה והאמר רבה החורש את אביו נהרג לפי שאי אפשר לחרישה בלא חבורה טיפתא דדמא נפלה ליה באודניה
3 Ich will dir sagen, hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er ihn taub gemacht und ihm keine Verletzung beigebracht hat. – Raba sagte ja aber, wer seinen Vater taub macht, werde hingerichtet, weil eine Täubung nicht ohne Verletzung möglich ist, denn ein Tropfen Blutes drang ihm ins Ohr!? –
ד אלא הכא במאי עסקינן כגון שגילחו גילחו מהדר הדר והיינו בעיין
4 Vielmehr, hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er ihn rasiert hat. – Wenn er ihn rasiert hat, wächst ja [das Haar] wieder, und dies ist ja unsere Frage!? –
ה אמרי הכא במאי עסקינן כגון שסכו נשא דלא הדר
5 Ich will dir sagen, hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er ihn mit einer Enthaarungssalbe bestrichen hat und [das Haar] nicht wieder wächst.
ו צער דאית ליה קרטופני ברישיה וצווחי מהנהו קרטופני ריפוי דבעיא אסויי שבת דהוה מרקיד בי כובי דבעיא מחוי גוני ארישא ולא מחוי מהנהו קרטופני בושת אין לך בושת גדול מזה
6 Schmerzen: wenn er Wunden am Kopfe und dadurch Schmerzen hat; Heilung: denn es muß geheilt werden; Versäumnis: wenn er in den Schenken tanzt und mit dem Kopfe Figuren ausführt, was er wegen der Wunden nicht kann; Beschämung: du hast ja keine größere Beschämung als diese.
ז ומילתא דבעיא ליה לרבה פשיטא ליה לאביי להך גיסא ולרבא להך גיסא דאתמר הכהו על ידו וצמתה וסופה לחזור אביי אמר נותן לו שבת גדולה ושבת קטנה ורבא אמר אינו נותן לו אלא דמי שבתו שבכל יום ויום
7 Das, was Rabba fraglich war, war Abajje nach der Seite und Raba nach der anderen Seite entschieden. Denn es wurde gelehrt: Wenn jemand einen auf die Hand schlägt und sie anschwillt, später aber wieder heilt, so muß er ihm, wie Abajje sagt, das große Versäumnisgeld und das kleine Versäumnisgeld zahlen; Raba sagt, er zahle ihm nur das tägliche Versäumnisgeld.
ח איתמר הקוטע יד עבד עברי של חבירו אביי אמר נותן לו שבת גדולה לעבד ושבת קטנה לרב רבא אמר הכל ינתן לעבד וילקח בהן קרקע והרב אוכל פירות
8 Es wurde gelehrt: Wenn jemand einem fremden jüdischen Sklaven eine Hand abschlägt, so muß er, wie Abajje sagt, das große Versäumnisgeld an den Sklaven und das kleine Versäumnisgeld an seinen Herrn zahlen; Raba sagt, alles sei an den Sklaven zu zahlen, und dafür kaufe er ein Grundstück, von dem der Herr die Früchte genieße.
ט פשיטא פיחת אצל עצמו ואצל רבו לא פיחת היכי דמי דפסקיה לריש אוניה או לריש נחיריה הכל לעצמו פיחת אצל רבו פלוגתא דאביי ורבא:
9 Einig sind sie, daß alles [dem Sklaven] gehört, in dem Falle, wenn er sich gegenüber minderwertig geworden ist, nicht aber seinem Herrn gegenüber, wenn er ihm beispielsweise die Ohrenspitze oder die Nasenspitze abgeschnitten hat; über den Fall aber, wenn er auch seinem Herrn gegenüber minderwertig geworden ist, besteht der Streit zwischen Abajje und Raba.
י בושת הכל לפי המבייש והמתבייש: מני מתניתין לא רבי מאיר ולא ר' יהודה אלא ר' שמעון היא
10 B<small>ESCHÄMUNGSGELD, NACH</small> [<small>DER</small> S<small>TELLUNG DES</small>] B<small>ESCHÄMENDEN UND DES</small> B<small>ESCHÄMTEN.</small> Unsere Mišna vertritt weder die Ansicht R. Meírs noch die des R. Jehuda, sondern die des R. Šimo͑n;
יא דתנן וכולן רואין אותן כאילו הם בני חורין שירדו מנכסיהם שהן בני אברהם יצחק ויעקב דברי ר' מאיר ר' יהודה אומר הגדול לפי גודלו והקטן לפי קטנו רבי שמעון אומר עשירים רואין אותן כאילו הם בני חורין שירדו מנכסיהם עניים כפחותין שבהן
11 denn wir haben gelernt: Man betrachte jeden als Freien, der sein Vermögen verloren hat, denn er ist ein Sohn von Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob – so R. Meír; R. Jehuda sagt, einen Großen nach seiner Größe und einen Kleinen nach seiner Kleinheit; R. Šimo͑n sagt, einen Reichen betrachte man als Freien, der sein Vermögen verloren hat, einen Armen als niedriger stehend. Wessen Ansicht vertritt sie nun:
יב מני (השתא) אי רבי מאיר מתניתין קתני הכל לפי המבייש והמתבייש ורבי מאיר כולהו בהדי הדדי נינהו ואי ר' יהודה מתניתין קתני המבייש את הסומא חייב ואילו ר' יהודה אומר סומא אין לו בושת אלא לאו רבי שמעון היא
12 wenn die des R. Meír, so lehrt sie ja, daß man sich nach der Stellung des Beschämenden und Beschämten richte, während nach R. Meír alle einander gleichen; wenn die des R. Jehuda, so lehrt ja die Mišna, wer einen Blinden beschämt, sei schuldig, während R. Jehuda sagt, bei einem Blinden gebe es keine Beschämung; wahrscheinlich also die des R. Šimo͑n. –
יג אפי' תימא ר' יהודה כי אמר ר' יהודה סומא אין לו בושת למשקל מיניה אבל למיתבא ליה יהבינן ליה
13 Du kannst auch sagen, sie vertrete die des R. Jehuda, denn nur insofern sagt R. Jehuda, bei einem Blinden gebe es keine Beschämung, als daß er [kein Beschämungsgeld] zu zahlen brauche, an ihn aber ist es wohl zu zahlen. –
יד והא מדקתני סיפא המבייש את הישן חייב וישן שבייש פטור ולא קתני סומא שבייש פטור מכלל דלא שנא הכי ולא שנא הכי אלא מחוורתא מתניתין רבי שמעון היא:
14 Wenn es aber im Schlußsatze heißt, wenn jemand einen Schlafenden beschämt, sei er schuldig, und wenn ein Schlafender jemand beschämt, sei er frei, und nicht gelehrt wird, wenn ein Blinder jemand beschämt, sei er frei, demnach ist es ja einerlei, ob so oder so!? – Am richtigsten ist es vielmehr, daß unsere Mišna die Ansicht R. Šimo͑ns vertritt.
טו מאן תנא להא דתנו רבנן נתכוון לבייש את הקטן ובייש את הגדול נותן לגדול דמי בושתו של קטן לבייש את העבד ובייש את בן חורין נותן לבן חורין דמי בושתו של עבד מני לא רבי מאיר ולא רבי יהודה ולא רבי שמעון
15 Wer ist der Autor der folgenden Lehre der Rabbanan: Wenn jemand in der Absicht einen Kleinen zu beschämen, einen Großen beschämt hat, so muß er an ihn das Beschämungsgeld für einen Kleinen zahlen; wenn er in der Absicht einen Sklaven zu beschämen, einen Freien beschämt hat, so muß er an ihn das Beschämungsgeld für einen Sklaven zahlen: Wessen nun: weder die des R. Meír, noch die des R. Jehuda, noch die des R. Šimo͑n?
טז קא סלקא דעתך קטן קטן בנכסים גדול גדול בנכסים אי רבי מאיר האמר כולהו בהדי הדדי נינהו ואי רבי יהודה האמר אין לעבדים בושת ואי ר"ש האמר נתכוון לבייש את זה ובייש את זה פטור
16 Er glaubte, unter Kleinen sei ein Kleiner hinsichtlich seines Vermögens, und unter Großen sei ein Großer hinsichtlich seines Vermögens zu verstehen. Wenn die des R. Meír, so sagt er ja, alle gleichen einander, wenn die des R. Jehuda, so sagt er ja, bei Sklaven gebe es keine Beschämung, und wenn die des R. Šimo͑n, so sagt er ja, wenn jemand in der Absicht einen zu beschämen, einen anderen beschämt hat, sei er frei,
יז מאי טעמא כקטלא מה קטלא עד דמתכוון ליה דכתיב (דברים יט, יא) וארב לו וקם עליו עד שיתכוון לו בושת נמי עד דמיכוין ליה דכתיב (דברים כה, יא) ושלחה ידה והחזיקה במבושיו עד שיתכוון לו
17 weil dies mit dem Morde zu vergleichen sei, wie man wegen des Mordes nur dann schuldig ist, wenn man es auf den Betreffenden abgesehen hat, denn es heißt:<i>und er ihm auflauert und ihn überfällt,</i> nur wenn er es auf ihn abgesehen hat, ebenso auch wegen der Beschämung, nur wenn er es auf ihn abgesehen hat, denn es heißt:<i>und sie ihre Hand ausstreckt und seine Hoden erfaßt,</i> nur wenn sie es auf ihn abgesehen hat. –
יח לעולם ר' יהודה וכי קאמר ר' יהודה אין לעבדים בושת למיתבא להו אבל למישם שיימינן בהו
18 Tatsächlich R. Jehuda, denn nur insofern sagt R. Jehuda, bei einem Sklaven gebe es keine Beschämung, als daß man an ihn kein [Beschämungsgeld] zu zahlen brauche, aber durch ihn schätzen kann man wohl.
יט ואי בעית אימא אפילו תימא רבי מאיר מי סברת גדול גדול בנכסים קטן קטן בנכסים לא גדול גדול ממש וקטן קטן ממש
19 Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich R. Meír, denn unter Großen ist nicht ein Großer hinsichtlich seines Vermögens und unter Kiemen ist nicht ein Kleiner hinsichtlich seines Vermögens zu verstehen, vielmehr ist unter Großen ein Erwachsener und unter Kleinen ein Minderjähriger zu verstehen. –
כ וקטן בר בושת הוא אין כדאמר רב פפא דמיכלמו ליה ומיכלם הכא נמי
20 Gibt es denn bei einem Minderjährigen eine Beschämung? – Freilich; wie R. Papa erklärt hat, falls er sich schämt, wenn man ihn beschämt, ebenso auch hierbei,